Diese Website widerspiegelt den derzeitigen Stand des Projekts 150 Jahre Jurabahn. Kommt die Finanzierung zustande, wird es ab November 2026 umgesetzt.

Basisausstellung «TrainsFormation»

In den drei gemauerten Garagen des «Alten Werkhofs» führt die Basisausstellung durch sechs Kapitel — von den ersten Ideen (1850er) über den Bau (1870er) bis zu den ersten Betriebsjahren des Jurabahnkorridors, mit Endpunkt der Gründung der SBB 1902.

Einführung (Kap. 1)

Der Einstieg macht mit der Ausstellungswelt vertraut und spannt den Kontext auf: die Pionierzeit der Eisenbahn in Kontinentaleuropa, die Zeit und Raum, Wirtschaft und Alltag umwälzte; das Europa der Imperien und der Deutsch-Französische Krieg 1870/71, dessen Annexion des Elsass den Bau der Jurabahn beschleunigte; die Schweiz zwischen Wiener Kongress und Erstem Weltkrieg; frühe Bemühungen und Widerstände im Berner Jura; und die ökonomisch wie politisch schwierige Lage der Juraregion zwischen Basel, Biel und Delle — samt der Armut, die viele zur Auswanderung, auch nach Übersee, trieb.

Planung und Organisation (Kap. 2–3)

Bevor Brücken, Tunnels und Dämme entstehen konnten, brauchte es Vorbereitung: Finanzierung, die politische und technische Festlegung des Streckenverlaufs, Kauf und Enteignung von Land, Standardisierung, die Anwerbung von Unternehmen und Arbeitskräften, Lieferketten und Materiallager. Objekte wie Verträge, Jurabahn-Aktien, Baupläne, Streckenvarianten-Karten und Zeitungsartikel machen die Planungsphase greifbar. Zwischen zwei Räumen führt ein nachempfundener Tunnel von 1874 — gedämpftes Licht, als Ton simulierte Dampflok-Durchfahrt.

Bau und Betrieb (Kap. 4–5)

Nun nimmt die Jurabahn Form an: Fotografien vom Bau der Bahnhöfe, Brücken, Tunnels und Dämme — vor allem aber die Menschen bei der Arbeit, mit minimalen Hilfsmitteln. Thema sind Transport und Lagerung der Materialien, die körperliche Intensität des Unternehmens, Schwierigkeiten und Reibungen sowie die Lebensbedingungen der oft französischen oder italienischen Arbeitskräfte. Der «Betrieb» zeigt den Bahnalltag entlang der Birs durch Schluchten und Hochtäler — mit Fahrplänen, Postkarten und Tourismusplakaten — und die neuen Eisenbahnberufe wie Streckenwärter, Bahnhofsvorstände oder Lokomotivführer. So wird die Industrialisierung im Jurabogen anschaulich.

Zeitungsanzeige zur Eröffnung der Strecke Porrentruy–Glovelier, 1877 Farbiges Plakat der Jura-Simplon-Bahn, 1899
Links: Zeitungsanzeige zur Eröffnung des Teilstücks Porrentruy–Glovelier, 30. März 1877 (den Namen Jura–Bern–Luzern nahm die Bahn erst 1884 offiziell an). Rechts: Plakat und Fahrplan der Jura-Simplon-Bahn, gültig ab 1. Juni 1899. Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste.

Auswirkungen (Kap. 6)

Ein lichter, grosszügiger Raum markiert den Beginn einer neuen Ära — vergleichbar mit dem Umbruch vom analogen zum digitalen Zeitalter. Der Wandel betraf nicht nur verschwindende Berufe wie Fuhrleute oder Flösser, sondern Zeit-, Raum- und Risikokulturen: die Organisation der Zeit (Ortszeit vs. Zonenzeit, Fahrplantaktung, Wartezeiten), die Wahrnehmung des Raums, die Neustrukturierung von Landschaften und Städten durch Trassen und Bahnhöfe — und die neue Erfahrung technisch bedingter Grossunfälle, etwa des Brückeneinsturzes von Münchenstein am 14.06.1891. Grossformatige Bildprojektionen leiten schliesslich zu den Satelliten-Ausstellungen der Partnermuseen über.

Schloss Angenstein vor dem Bau der Jurabahn, um 1860 Schloss Angenstein nach dem Bau der Jurabahn, Postkarte
Schloss Angenstein bei Duggingen (BL) vor und nach dem Bau der Jurabahn. Links: Auguste Quiquerez, ca. 1860; rechts: Postkarte, [1870er].