Diese Website widerspiegelt den derzeitigen Stand des Projekts 150 Jahre Jurabahn. Kommt die Finanzierung zustande, wird es ab November 2026 umgesetzt.
Story
Plot
Sigurd Prokopp von Wehrenau fährt mit der ersten Direktverbindung von Wien nach Paris, um mit seiner Geliebten Justine Rouaud ein letztes Mal im «Au Rocher de Cancale» Austern essen zu gehen. Gleichzeitig fährt Justines Tochter Amélie von Paris nach Wien, um Sigurd mitzuteilen, dass ihre Mutter gestorben sei. Sie soll ihm «diesen Brief» überbringen — dann sei sie laut Mutter «alle ihre Sorgen los».
Sowohl in Sigurds wie auch in Amélies Abteil reisen noch zwei weitere Personen mit; ihre Reisen sind unterschiedlich motiviert. Beide Züge halten gleichzeitig in Porrentruy bzw. Dornach-Arlesheim wegen einer «Betriebsstörung». Dort werden die Passagiere von Kindern und Musikvereinen begrüsst. Ob sich Amélie und Sigurd im Bahnhofbuffet erkennen, ist noch unklar.
Personen im Zug Wien–Paris (deutschsprachig)
Sigurd Prokopp von Wehrenau
Geboren 1810 in Wien, Pionier der Imprägnierung von Bahnschwellen und Telegraphenmasten; er brachte das britische Bethell-Verfahren erstmals ins Habsburgerreich und verbesserte es stetig. Sehr vermögend und ein grosser Austernkenner, tüftelt er an einem Kühlwaggon, um Austern frisch nach Wien zu bringen. Seine Pariser Geliebte Justine lernte er 1855 an der Weltausstellung kennen. Neun Monate später kam eine Tochter zur Welt, die Justine ihm über all die Jahre verheimlichte. Als er ankündigte, nach Paris zu kommen, wollte sie es ihm sagen — doch der Krebs gewann den Wettlauf gegen die Zeit.
Elisabeth Sarasin-de Bary
Geboren 1835 in Basel, verheiratet mit dem Seidenbandfabrikanten, Politiker und Bankier Rudolf Sarasin. Eigentlich liebte sie dessen Bruder Alfred, musste aber aus familienpolitischen Gründen Rudolf heiraten. Sie fährt regelmässig nach Paris, um für den repräsentativen Haushalt und die Aussteuer ihrer fünf Töchter einzukaufen — und um Industriespionage zu betreiben, indem sie Muster neuester Trends als Stoffschnipsel nach Hause bringt. Insgeheim hofft sie, dass ihr Mann bald stirbt, damit sie ihre Liebe zu Alfred offen leben kann.
Hans Scherrer (Flösser)
Geboren 1833 in Zwingen. Seine Familie transportierte seit Generationen Steine und Holz auf der Birs nach Basel. Er führte die siegreiche Opposition gegen den Bau eines Bahnhofs in Zwingen an, um das Flössergeschäft zu schützen. Doch schon drei Monate nach dem ersten Streckenabschnitt Basel–Delémont stiegen Steinbrüche und Holzhandlungen auf die Eisenbahn um; Scherrer und die anderen Flösser verloren ihren Verdienst. Verzweifelt und dem Alkohol verfallen, will er mit einer spektakulären Aktion auf dem ersten Zug von Wien nach Paris auf das Schicksal der Birsflösser aufmerksam machen — bevor er sich vor den Zug werfen würde.
Personen im Zug Paris–Wien (französischsprachig)
Amélie Rouaud
Geboren 1856, kannte sie ihren Vater nie. Lange liess ihre Mutter Justine sie glauben, der Mann sei verschwunden. Als Justine mit nur 42 Jahren an Krebs erkrankte, offenbarte sie Amélie das Geheimnis ihrer Herkunft: Ihr Vater ist Sigurd Prokopp von Wehrenau, ein reicher Wiener, den sie zwanzig Jahre zuvor während eines kurzen Aufenthalts in Paris kennengelernt hatte. Aus Scham hatte Justine ihm nie von den Folgen jener Begegnung erzählt.
Julien Dumas
Geboren 1840, engagierte er sich früh politisch. In Angers und Paris zum Drucker ausgebildet, nutzte er seinen Beruf zur Weiterbildung und wurde sich der sozialen Ungleichheiten bewusst. Als Mitglied der internationalistischen Bewegung lernte er Karl Marx kennen, den er zugleich faszinierend und — in Bezug auf die Rechte der Frauen — zu konservativ fand. Er träumt von einer Föderation aus kleinen Verwaltungs- und Wirtschaftseinheiten. Als engagiertes Mitglied der Pariser Kommune muss er nach deren gewaltsamer Niederschlagung im Untergrund leben.
Simone de Bettencourt
Die 1823 geborene Simone de Bettencourt verkörpert die Widersprüche ihres Standes: Sie stammt aus dem alten Provinznobeltum, ist sehr offen für neue Ideen in Kunst und Wissenschaft und verfolgt das Geschehen in den europäischen Hauptstädten, insbesondere in Wien, das sie als die neue Stadt der Lichter betrachtet. Diese Offenheit hat jedoch Grenzen: Sie hegt eine Art Abscheu vor der «Unkultur» und «geistigen Rückständigkeit» der unteren Klassen und fürchtet die Arbeiterbewegung wie die Pest.